Kürzlich ist mir mein deutscher Import-Tee von der Tee-Kampagne ausgegangen. Da quasi mit Tee aufgewachsen bin, mußte natürlich schnell Ersatz her. Also bin ich, was mich einige Überwindung gekostet hat, mal wieder zur Prudential Mall geradelt und habe den Teavana-Teeladen besucht. Als deutscher Teetrinker stellt man sich ein Teegeschäft als eine dufte Angelegenheit vor, knarzig, still, vielleicht leise klassische Musik im Hintergrund.
Amerika ist natürlich ein anderes Land mit anderen Sitten: In der Teavana-Filiale dröhnt Musik, die sich wie ein Verschnitt aus Techno und Rap anhört, und der Verkäufer versucht mit einem Elan, mir seine Teesorten anzudrehen, als handelte es sich um das neueste iPhone-Modell, das ich auf keinen Fall verpassen darf. Es war nicht leicht, ihm klarzumachen, daß ich keine aromatisierten Super-Tees (Antioxidantien!) möchte, sondern einfach einen schwarzen Frühstückstee, z.B. eine Ceylon-Mischung. Ceylon bekam ich dann auch, aber natürlich keine Frühstücksqualität, sondern 60 Gramm für 12 Dollar. Zu allem Übel wurde ich dann auch noch neugierig und habe mir ein kleines Tütchen "Dragon Pearls" gekauft, zusammengeknüllte Darjeeling-Teeblätter.
Immerhin hat diese Aktion den nicht ganz unangenehmen Nebeneffekt, daß ich mich tatsächlich mal wieder zum nachmittäglichen Teetrinken hingesetzt habe.
Und das schreiben dieser Zeilen hat ebenfalls einen schönen Nebeneffekt: Die Homepage der Teekampagne hat nämlich nicht nur ein englisches Flaggen-Symbol zum Wechseln der Sprache, sondern auch ein amerikanisches. Da wurde ich neugierig! Und siehe da, die Teekampagne hat in die Staaten expandiert und nennt sich hier, der Zufall will es, auch noch "Boston Tee Campaign". Das muß ich glatt mal ausprobieren!
