Sunday, December 21, 2008

Im Schnee

Winter Es ist wieder Winter, keine Frage.

Der am Freitag angekündigte Schneesturm ist denn auch tatsächlich über Boston hereingebrochen. Ich wollte eigentlich jede Stunde ein Foto machen, bin dann aber durch die Arbeit abgelenkt worden. So kann ich nicht den dichten Schneefall, sondern nur das Ergebnis zeigen, aber auch das ist schon ziemlich beeindruckend. Innerhalb von Stunden hat sich ein fast noch spätsommerlich mildes Boston in ein Schneeparadies verwandelt. Glücklicherweise ist es nicht wie letztes Jahr zu einem totalen Verkehrschaos gekommen. Vor einem Jahr waren ja alle "non essential workers" mittags nach Hause geschickt worden, so daß die Pendler mit ihren Autos mitten im Schneesturm die Straßen verstopften und die Räumfahrzeuge nicht durchkamen. Man hat also daraus gelernt, wobei ich mich schon frage, ob das letztes Jahr der erste Schneesturm in der Geschichte Bostons war?!

Was macht man an solchen Wintertagen, wenn man mit der Laborarbeit fertig ist? Zum Beispiel Freunden beim Umzug helfen. Vielleicht nicht gerade das beste Timing, aber was soll man machen, man kann sich sein Umzugswetter ja nicht aussuchen. Mir gab das die Gelegenheit, einmal einen Zipcar-Subaru zu fahren, das wollte ich schon immer mal machen. Diese Autos haben permanenten Allradantrieb, das ist Subarus Spezialität, und ich muß sagen, es war beeindruckend. Egal, ob man auf dem schneebedeckten Parkplatz im Hinterhof eines Mietshauses rangiert oder sich durch die nur unzureichend geräumten Straßen der Longwood Medical Area und Brooklines wühlt, man drückt das Gaspedal, und das Fahrzeug bewegt sich einfach vorwärts, als wenn es die zwanzig Zentimeter Neuschnee vor seinen Reifen gar nicht gebe. Natürlich kann auch ein Allradantrieb nicht verhindern, daß das Auto beim Abbiegen ein wenig ins Trudeln gerät, aber das hat wohl eher mit der Tatsache zu tun, daß Zipcar seinen Autos keine Winterreifen gönnt, als mit dem Allradantrieb. Das Cockpit war sehr ansprechend gestaltet, die Instrumente gut ablesbar, die Karosserie übersichtlich, der Kofferraum groß, und die Rücksitzbank ließ sich ganz einfach umlegen, was für den Umzug praktisch war. In Amerika kostet die Karre um die 25.000 Dollar, umgerechnet (derzeit) etwa 17.000 Euro -- für einen ausgewachsenen Kombi mit Allradantrieb eigentlich nicht schlecht.

Es gibt natürlich noch andere Winterbeschäftigungen als Autofahren. Radiohören zum Beispiel. Ich wollte an dieser Stelle schon immer mal auf den amerikanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinweisen. Ja, sowas gibt's! Und es ist tausendmal besser als in Deutschland, meiner Meinung nach zumindest.

Da ich keinen Fernseher habe, kann ich nur vom Radio berichten, das ähnlich wie in Deutschland eine Dachorganisation hat. Was bei uns die ARD ist, ist hier das National Public Radio (NPR). Zum NPR gehören zahlreiche Mitgliedssender; in Boston beispielsweise WBUR ("dabbeljuh-bi-ju-ar"), das Boston University Radio. (Kleiner Exkurs: Namen von Radiosendern im Osten der USA beginnen immer mit "W", während sie im Westen mit "K" beginnen; bei diesen Kodes handelt es sich um einen internationalen Rundfunkstandard, der für Deutschland beispielsweise die Kombinationen DA bis DR vorsieht, die aber bei uns im Alltag nicht verwendet werden; siehe Wikipedia-Artikel.)

Der öffentliche Rundfunk in den USA finanziert sich zu einem viel geringeren Anteil aus öffentlichen Mitteln; die Sender sind sehr stark auf Zuwendungen von Organisationen und Firmen sowie individuelle Spenden des Publikums angewiesen. So etwas wie eine GEZ-Gebühr gibt es hier nicht. Dennoch schaffen es die Sender, mit einem Minimum an Werbung -- jedenfalls deutlich weniger als ARD & ZDF -- zu überleben, und meiner Meinung nach bieten sie ein um Klassen besseres Programm.

Das politische NPR-Programm läßt sich vielleicht noch am ehesten mit dem Deutschlandfunk vergleichen. Bei NPR gibt es aber auch zahlreiche Unterhaltungssendungen, die regelrecht süchtig machen. Viele von ihnen sind sehr lustig und können uns als ein Beispiel dafür dienen, daß man auch humorvoll sein kann, ohne sich (wie manchmal Stefan Raab) über andere lustig zu machen oder (wie oft Thomas Gottschalk) nur noch zotig zu sein.

Hier sind meine Lieblingssendungen, die man übrigens auch kostenlos im Netz anhören kann (eine Spende ist den Sendern immer willkommen, s.o.).

  • "Wait, wait, don't tell me": Eine wöchentliche Nachrichten-Quizsendung, bei der Prominente und Zuhörer u.a. erraten müssen, welche Nachrichten echt und welche "Enten" sind. Alleine die Interviews mit den Prominenten vor dem eigentlichen Quiz-Teil sind es wert, die Pipette im Labor beiseite zu legen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Sendung vom 14.12.08, als der CIA-Direktor zugeschaltet war, der sehr schlagfertig alle Pointen pariert hat, die man ihm zuwarf... -- Den kostenlosen Podcast oder eine MP3-Datei kann man hier abonnieren/herunterladen.
  • "Car Talk": Wird m.W. hier in Boston produziert. Zuhörer rufen im Studio an und berichten von Problemen mit ihrem Auto. Das Problem wird dann von den beiden Moderatoren live gelöst, oder auch nicht. Oft werden die Anrufer dazu verleitet, die merkwürdigen Geräusche, die ihr Auto von sich gibt, im Radio nachzumachen, und manchmal landet das Gespräch auch ganz schnell bei völlig anderen Themen als Autos. In jedem Fall eine sehr vergnügliche, sehr amerikanische Sendung. Das Podcast-Abo bzw. die MP3-Datei gibt's hier.
  • "This American Life": Eine Institution unter den Reportagesendungen. Woche für Woche werden Menschen vorgestellt, die auf ihre Weise besonders sind oder besonderes erlebt haben; ein wenig wie die Fernsehreihe "37 °" bei uns im ZDF. "This American Life" oder kurz "TAL" ist jedoch für meine Begriffe viel lustiger, nachdenklicher, kritischer (z.B. viel zum Irak), skurriler (Sondersendung zu Truthähnen und anderem Geflügel an Thanksgiving). Archiv der Sendungen mit Downloadmöglichkeit: hier.

Thursday, December 18, 2008

Snow storm

Nachdem Boston vom Eisregen im restlichen Neuengland vor einigen Tagen völlig verschont geblieben ist und es hier sogar frühlingshaft mild war, ist für morgen der erste Snow Storm der Saison vorhergesagt. Bis zu dreißig Zentimeter Schnee...

Sunday, December 14, 2008

Prius

Nachdem ich letztens so vom BMW geschwärmt habe, wollte ich jetzt doch noch einmal die Alternative aufzeigen: Den Toyota Prius. Unglaublich populär, zumindest hier in Boston. Sein Geheimnis ist der Hybridantrieb, unter der Haube stecken sowohl ein Otto- als auch ein Elektromotor. Der Akku wird beim Fahren aufgeladen. Insgesamt scheint das eine super Idee zu sein, man bekommt regelmäßig wohl Verbräuche um 50 Meilen pro Gallone hin, das sind etwa 4,7 Liter auf 100 km.

Für den Zipcar-Fahrer ist der Benzinverbrauch natürlich zweitrangig, weil man den Sprit ja nicht selber bezahlen muß. Indirekt macht sich die Genügsamkeit allerdings schon bemerkbar: Die Priusse (oder "Prii"?!) sind die günstigsten Zipcars.

Und wie fährt sich so eine Duracell mit Rädern? Gar nicht so schlecht. Beim Anfahren fällt zunächst einmal auf, daß man nichts hört, der Wagen rollt lautlos an. Diese Geräuschlosigkeit führt auch immer wieder dazu, daß man sich als Fußgänger gehörig verjagt, wenn ein Prius sich herangepirscht hat.

Der Ottomotor springt bei höheren Geschwindigkeiten (so ab 30 km/h, Pi-mal-Daumen) selber an, der Übergang ist butterweich, genauso wie man auch von der Automatikschaltung nichts mitbekommt.

Früher oder später muß jeder Wagen die Kurve kriegen, und da trennt sich dann ganz schnell die Spreu vom Weizen. Die Straßen- und Kurvenlage des Prius ist ja ganz gut, aber die Lenkung... Die Lenkung... Also, man könnte auch genauso gut mit dem Schneebesen in einem Eimer Wasser rühren. Das Gefühl ist in etwa das gleiche. Kein Gefühl für die Straße!

Echt positiv ist allerdings das Raumangebot des Wagens. Ordentlich Beinfreiheit auf den Rücksitzen, und ein Kofferraum, der für diese kompakte Klasse beachtlich ist. Ein Golf kommt da nicht mit! Ich frage mich nur, wo die Japaner den E-Motor und die Batterie versteckt haben.

Das Auto könnte ein richtig gelungenes Praktisch-Auto sein, wäre es nicht so fürchterlich unübersichtlich. Vom Fahrersitz aus sieht man weder vorne noch hinten raus wirklich was, man kann nur hoffen, daß der Beifahrer einen besseren Überblick hat. Das Cockpit ist, typisch für ein asiatisches Auto, ein Beispiel für vollkommen verunglücktes Design. Nicht nur, daß es (auch Japaner-typisch) stark an Playmobil erinnert. Da, wo man seine Armaturen erwartet, schaut man durchs Lenkrad hindurch nur auf Plastik. Einen Tacho gibt es nur digital, in einer Anzeige-Zeile kurz vor der Windschutzscheibe, die so in die Breite gezogen ist, daß man unmöglich mit einem Blick die dargebotenen Informationen erfassen kann. Das größte Übel ist allerdings der berührungsempfindliche Bildschirm in der Mitte des Fahrzeugs, der beim Fahren eine animierte (!) Übersicht über die Energieflüsse im Fahrzeug bietet, und über den man so grundlegende Dinge wie Heizung/Klima und Radio steuern muß. Da verbringt man als Fahrer schon mal mehrere Sekunden damit, den Schirm anzustarren und zu betatschen, während man die ganzen Fußgänger umsäbelt, die einen wegen des E-Motors nicht haben kommen hören. Bingo!

Alles in allem scheint mir das Fahrzeug eine gute Idee zu sein und in die richtige Richtung zu gehen. Man muß allerdings fragen, ob die aufwendige Herstellung gegenüber einem "normalen" Auto auch umweltfreundlicher ist.

Die Amis jedenfalls scheinen das Teil zu lieben, Toyota kommt wohl mit der Produktion kaum hinterher (trotz Finanzkrise). Eine New-York-Times-Journalistin berichtet in einem Blog über ihre Erfahrungen mit dem Prius; sie ist vor ein paar Monaten von ihrem Geländewagen umgestiegen:

Weiter unten auf der Seite sieht man auch ein paar Bilder vom erwähnten Touchscreen.

Thursday, December 11, 2008

Dezember

Zur Zeit habe ich so wenig Zeit...

... daß ich einfach ein paar Bilder kommentiert und hochgeladen habe.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, daß wir letztes Jahr um diese Zeit unsere ersten großen Snow Storms hatten, während es heuer seit Tagen nur regnet.