In der letzten Zeit war es etwas still geworden um Friedolin, unseren "Mitbewohner". Wir hatten zwar eine Lebendfalle aufgestellt und mit etwas kostbaren Fudge aus den White Mountains "scharfgemacht", aber diese Röhre wurde von ihm ebenso links liegen gelassen wie die herkömmliche Schnappfalle, die wir irgendwann ganz auffällig unauffällig in die Ecke stellten. Nur wenn man ihm "aus Versehen" ein paar Müslikrümel hinwarf, waren die natürlich weg, wenn wir morgens in die Küche schlurften. Klar.
Seitdem die Heizung an ist, hat er auch sein Nest im Küchenheizkörper verlassen. Aber wo steckte er nur? Die Auflösung kam heute abend, als hinter dem Opel-Betriebsratsvorsitzenden ein dunkler Schatten langhuschte. Moment mal! Erstens war dieser Schatten gar nicht im Fernsehen, sondern ganz echt im Wohnzimmer, und zweitens war es auch gar kein Schatten. Dummerweise hatten wir die Wohnzimmertür zugemacht, so daß der Plan scheitern mußte, von uns unbemerkt in die Küche zurückzuhuschen.
Er fand unter dem Billy-Bücherregal Zuflucht, und wir fanden einen Pappkarton. Wie es dann ausging, kann man sich ausmahlen: Unter heftigem Blitzlichtgewitter wurde das Bücherregal von der Wand abgerückt, und Friedolin rannte schnurstracks in die Falle. Deckel drauf und stolz sein.
Wir sind dann zum Jamaica Pond gelaufen und haben ihn dort in die Freiheit entlassen. Eigentlich wollten wir ihm im Bootshaus eine neue Heimat finden lassen, aber da gab es leider keinen Schlitz unter der Tür. Das Bootshaus fand er aber auch gar nicht so interessant. Er hüpfte aus dem Karton, und rannte wie von der Tarantel gestochen Richtung Fußgängerampel los. Wenn man bedenkt, daß (wie schon mal erwähnt) eine Maus täglich mehrere Kilometer zurücklegt, kann man nur hoffen, daß Friedolin wirklich nur eine Hausmaus ist und sich im Revier nicht so supergut auskennt.
Aber vielleicht hockt er inzwischen auch schon in der Waschküche unten im Keller und überlegt, wie er an Hund und Katze vorbeikommt...
