Thursday, January 29, 2009

Eisig

Gestern nachmittag hat es seit Wochen zum ersten Mal wieder geregnet. Über Nacht ist natürlich alles gefroren, so daß heute morgen halb Boston von einer soliden Eisdecke überzogen war.

Wie gut, daß es den Boston Globe gibt!

Like a penguin

Monday, January 26, 2009

Winter

Wie versprochen, verliere ich noch ein paar Worte zum Schnee. Vielleicht ist es langweilig, aber der Schnee hier ist echt faszinierend. Es gibt einfach so viel davon, und wenn er da ist, bleibt er da und bleibt weiß und schön. Mir kommt's so vor, als ob er in Deutschland immer gleich wegtaut oder zumindest schnell ganz schmutzig wird, vor allem in den Städten. Das ist hier irgendwie anders. Vielleicht fühlt sich der Schnee in Neuengland wohler?

Jedenfalls haben wir so viel davon, daß die Stadt mit großen Bau-Lastern durch die Gegend fährt, den Schnee auf die Laster baggert und ihn anschließend im Meer versenkt. Geht man so mit Freunden um? Aber es stimmt schon, man weiß gar nicht mehr, wohin damit. Für Mittwoch sind noch einmal um die 20 Zentimeter vorhergesagt, vielleicht haben sich bis dahin ja die Schwielen vom letzten Mal Schippen schon etwas besser ausgebildet.

Zum Thema "Neues Jahr" wollte ich übrigens noch auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Pharmaindustrie hinweisen, die in den Staaten zum 1.1. in Kraft getreten ist. Von jetzt an gibt es keine Werbekulis mehr! Das finde ich eine Super-Idee. In meinen Augen ist jeder Kuli und jeder Radiergummi mit einem Medikamentennamen drauf unethische Einflußnahme auf das ärztliche Handeln. Wie würden die Leute regieren, wenn im "ARD Ratgeber Auto" die ganze Zeit ein BMW-Logo eingeblendet würde? Riesenaufschrei, Schleichwerbung, Skandal. Aber wenn der Arzt seine Anordnungen mit einem Pharma-Kuli in die Kurve kritzelt, ist das "kein Problem". Ja, klar. Kein Problem scheint auch zu sein, wennUni-Assistenzärzte zu einer sogenannten "Fortbildungsveranstaltung" gebeten werden, bei der es im Prinzip nur um einen einzigen, natürlich patentierten Wirkstoff geht, und wo links und rechts von der PowerPoint-Leinwand Werbetafeln aufgestellt sind.

Insofern finde ich es sehr vorbildlich, daß das alles in den USA jetzt nicht mehr vorkommen soll, auch wenn die New York Times natürlich immer noch das eine oder andere Haar in der Suppe findet:

Andererseits sind wir "natürlich" auf die Zuwendungen der Pharma-Industrie angewiesen. Wer kann es sich schon von seinem BAT-IIa-Gehalt leisten, von Deutschland in die USA zu einem Fachkongreß zu fliegen? Mindestens 600 Euro für das Flugticket, 200 Dollar pro Übernachtung, vier Übernachtungen, dazu Kongreßgebühren in Höhe von mehreren Hundert Dollar... Da kommt schnell ein Monatsgehalt zusammen -- klar, daß man sich von den Pharma-Leuten einladen läßt. Da stimmt auch etwas an anderer Stelle im Sytem nicht. Finde ich.

Wednesday, January 21, 2009

Neues Jahr

Seit drei Wochen ist "Neues Jahr", seit vier Wochen habe ich an dieser Stelle nichts mehr geschrieben, und seit gestern wird in Amerika wieder positiv regiert.

Neues Jahr: Begann in Boston erst einmal mit viel Neuschnee -- mehr dazu später.

Schreiben: Tue ich im Augenblick vor allem einen Drittmittelantrag und bin wieder einmal begeistert, wie gut es sich mit OpenOffice arbeiten läßt. Der "Writer" ist 100 % zuverlässig, vor allem, wenn man ein paar Abbildungen in seinen Text einbauen möchte. Bildlegende gefällig? Kein Problem. Nichts verrutscht, nichts verschwindet, einfach wunderbar. Dazu kommt ein logisches, hierarchisches Formatvorlagen-System, so daß der Text garantiert stimmig formatiert ist. Und als Schmankerl merkt sich dieses Programm auch noch vollautomatisch lange Wörter wie Acetyltransferase oder Phosphorylation, so daß man nur noch "Acet" oder "Phos" tippen muß und das vorgeschlagene Wort schnell mit z.B. "Tab" bestätigt. Nur denken muß man noch selbst. Aber wenn man eine Viertelstunde an einem Satz herumüberlegt, ist man wirklich dankbar, den Satz dann endlich gedankenschnell in den Text einbauen zu können, bevor er einem wieder entfleucht.

Regieren: Na, so weit bin ich noch nicht, aber dafür gibt's ja jetzt den Obama. Gestern zur Amtseinführung haben sämtliche Fernsehsender den ganzen Tage über live aus Washington übertragen; als am späten Vormittag die Vereidigung auf dem Programm stand, hat hier keiner mehr gearbeitet. Die Harvard-Uni übertrug die Sendung auf großen Leinwänden und Bildschirmen an zahlreichen Stellen auf dem Campus. Wir haben im Institut einfach den Konferenzraum mit dem Beamer zweckentfremdet und das Fernsehbild per Internetstream zu uns geholt. Kurz nach halb zwölf mittags brach allerdings erst einmal das Netz zusammen, vermutlich waren noch 100.000.000 andere auf die Idee gekommen, per Internet fernzusehen. Peinlich war nur, daß wir gerade vorher einen Werbe-Trailer von Audi gesehen hatten mit der etwas vollmundig Ankündigung "uninterrupted experience", und ich noch in den Raum geblökt hatte "Yeah, German engineering!". Man kann halt nicht alles haben, aber nach einigem Suchen fanden wir auch wieder einen Server, der noch Daten liefern wollte.

Nun sind alle ganz glücklich, mit ordentlich Schnee, OpenOffice und Obama.