Saturday, November 08, 2008

Danach

Am Morgen nach Der Wahl war es erstmal ganz still. Alle kamen zu spät zur Arbeit. Später am Vormittag dann gibt es eigentlich nur ein Thema: Obama. Ich gehe raus, um mir einen Kaffee und eine New York Times zu holen. Auf der Internet-Homepage steht in dicken fetten Buchstaben nur "OBAMA". Das hätte ich doch auch gerne für die Vitrine zu Hause. Doch beim Starbucks haben sie zwar Kaffee, aber keine einzige Zeitung mehr. Ein paar Meter weiter im Harvard-Laden finde ich noch ein Exemplar des Wall Street Journal, das ich zwar sonst nicht lese, aber heute ist ja schließlich ein historischer Tag. Die Dame an der Kasse vertüdelt sich total mit dem Wechselgeld, sagt: „Oh sorry, I did not sleep last night“, wer kann es ihr verdenken.

Es ist, als ob die Amerikaner aus einem Albtraum aufgewacht sind. Sieben Jahre lang hat George W. Bush mit Angst regiert, die Nation ist ihm gefolgt, weil er Furcht beschworen hat. Das ist der Grund, warum Barack Obama mit seiner Rede von Hoffnung, Chance und „Yes we can“ die Menschen begeistert. Wenn Bush sagt, unsere Wirtschaft ist am Boden, das Land steht am Abgrund, und jetzt gebt mir die Macht, am Parlament vorbei zu regieren, dann hört sich das bei Obama so an: Paßt auf, Leute, es wird eine ziemlich rauhe See geben, wir werden uns verändern müssen, aber wir packen das schon: Yes, we can!

Genau so hätte ich mir den Ruck vorgestellt, den Roman Herzog sich wünschte.

Wednesday, November 05, 2008

Große Reden

Barack Obamas Rede als Video auf der New-York-Times-Homepage (17 min):

http://elections.nytimes.com/2008/results/president/speeches/obama-victory-speech.html

John McCains Rede (10 min):

http://elections.nytimes.com/2008/results/president/speeches/mccain-concession-speech.html

Beide sehr bemerkenswert.

... und ausatmen

Barack Obama wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten. Als er vor wenigen Minuten in Chicago vor die Menschenmenge trat, war klar: Dies ist eine historische Rede, dies ist eine historische Persönlichkeit. Ich kann Amerika und dem Rest der Welt nur zu dieser Wahl gratulieren. Ich habe noch nie so einen Politiker erlebt. Ein geborener Leader. Quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen hat er heute die Wahl gewonnen.

Kurz zuvor war John McCain vor die Mikrofone getreten und hat genau die Rede gehalten, die ich von ihm erwartet hatte: Eine uneingeschränkte, ehrliche Gratulation an den Gewinner dieser Wahl.

Das ist so anders als bei uns in Deutschland, wo man immer mehr Gefallen an der politischen Zerfleischung zu finden scheint. In Amerika wird mit harten, ganz harten Bandagen gekämpft, aber wenn die Wahl vorüber ist, steht die Nation zusammen, eine Nation, die wie keine andere in der Geschichte für die Macht des Möglichen steht.

"Yes we can!"

Monday, November 03, 2008

Luft anhalten

Head of the Charles

Während in Hessen heute morgen die Luft raus zu sein scheint, hält ganz Amerika heute und morgen die Luft an. Der schier endlose Präsidentschaftwahlkampf geht endlich zu Ende. Morgen abend werden die McCains und die Obamas genauso wie wir vor dem Fernseher hocken, und sie werden sich irgendwie leer vorkommen, nachdem sie monatelang jeden Tag ohne Unterbrechung wahlgekämpft haben. Für Amerika ist es eine Epochenentscheidung: Für einen Präsidenten am Ende seiner politischen Laufbahn, der mit seiner ganzen Biographie für das zwanzigste Jahrhundert steht, oder für einen Präsidenten auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit einer Vision für das Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Wer auch immer gewinnt, es ist zu hoffen, daß beide Parteien anschließend versuchen, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu überwinden, die insbesondere die Republikaner in diesem Wahlkampf betrieben haben. Da wurde unterschieden zwischen „richtigen“ Amerikanern, die republikanisch wählen, und dem unausgesprochenen Rest; da wurde behauptet, Obama sei mit Terroristen im Bunde; da durften republikanische Aktionisten rufen „Tötet Obama“, und als John McCain darauf angesprochen wurde, rechtfertigte er das mit dem Hinweis, seine Anhänger seien nun einmal aufrechte Patrioten, und auf die lasse er nichts kommen.

Herr Obama dagegen tritt immer wie ein Gentleman auf, erlaubte sich während des gesamten Wahlkampfes keinerlei Entgleisungen. Er war vielleicht nicht immer so mitreißend oder so konkret, wie manche sich das gewünscht hätten, aber er war immer präsidial. Wenn die Radiosender Leute auf der Straße interviewen, hört man mitunter „I believe this is going to be the next Great President“.

In Massachusetts ist ganz klar, wer hier die Nase vorne hat. Der Staat ist wahrscheinlich die Hochburg der Demokraten. Die Kennedy-Familie ist von hier. John Kerry, der Kandidat von 2004, wohnt in der Bostoner Altstadt. Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man jede Menge Schilder im Vorgarten: „Obama 08“ (‚o-bama o-eight‘) – ich habe noch kein einziges McCain-Schild gesehen.

Morgen abend werde ich also wieder vor dem Fernseher sitzen. Das letzte Mal ging es um die Baseball-Meisterschaft, die die Red Sox übrigens verloren haben. Hoffentlich geht gibt es diesmal ein Erfolgserlebnis!

Ältere Einträge

Die älteren Einträge in meinem Blog sind auf meiner Homepage zu finden: http://home.arcor.de/d-kraus/album/blog