Monday, November 03, 2008

Luft anhalten

Head of the Charles

Während in Hessen heute morgen die Luft raus zu sein scheint, hält ganz Amerika heute und morgen die Luft an. Der schier endlose Präsidentschaftwahlkampf geht endlich zu Ende. Morgen abend werden die McCains und die Obamas genauso wie wir vor dem Fernseher hocken, und sie werden sich irgendwie leer vorkommen, nachdem sie monatelang jeden Tag ohne Unterbrechung wahlgekämpft haben. Für Amerika ist es eine Epochenentscheidung: Für einen Präsidenten am Ende seiner politischen Laufbahn, der mit seiner ganzen Biographie für das zwanzigste Jahrhundert steht, oder für einen Präsidenten auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit einer Vision für das Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Wer auch immer gewinnt, es ist zu hoffen, daß beide Parteien anschließend versuchen, die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu überwinden, die insbesondere die Republikaner in diesem Wahlkampf betrieben haben. Da wurde unterschieden zwischen „richtigen“ Amerikanern, die republikanisch wählen, und dem unausgesprochenen Rest; da wurde behauptet, Obama sei mit Terroristen im Bunde; da durften republikanische Aktionisten rufen „Tötet Obama“, und als John McCain darauf angesprochen wurde, rechtfertigte er das mit dem Hinweis, seine Anhänger seien nun einmal aufrechte Patrioten, und auf die lasse er nichts kommen.

Herr Obama dagegen tritt immer wie ein Gentleman auf, erlaubte sich während des gesamten Wahlkampfes keinerlei Entgleisungen. Er war vielleicht nicht immer so mitreißend oder so konkret, wie manche sich das gewünscht hätten, aber er war immer präsidial. Wenn die Radiosender Leute auf der Straße interviewen, hört man mitunter „I believe this is going to be the next Great President“.

In Massachusetts ist ganz klar, wer hier die Nase vorne hat. Der Staat ist wahrscheinlich die Hochburg der Demokraten. Die Kennedy-Familie ist von hier. John Kerry, der Kandidat von 2004, wohnt in der Bostoner Altstadt. Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man jede Menge Schilder im Vorgarten: „Obama 08“ (‚o-bama o-eight‘) – ich habe noch kein einziges McCain-Schild gesehen.

Morgen abend werde ich also wieder vor dem Fernseher sitzen. Das letzte Mal ging es um die Baseball-Meisterschaft, die die Red Sox übrigens verloren haben. Hoffentlich geht gibt es diesmal ein Erfolgserlebnis!

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