Wie versprochen, verliere ich noch ein paar Worte zum Schnee. Vielleicht ist es langweilig, aber der Schnee hier ist echt faszinierend. Es gibt einfach so viel davon, und wenn er da ist, bleibt er da und bleibt weiß und schön. Mir kommt's so vor, als ob er in Deutschland immer gleich wegtaut oder zumindest schnell ganz schmutzig wird, vor allem in den Städten. Das ist hier irgendwie anders. Vielleicht fühlt sich der Schnee in Neuengland wohler?
Jedenfalls haben wir so viel davon, daß die Stadt mit großen Bau-Lastern durch die Gegend fährt, den Schnee auf die Laster baggert und ihn anschließend im Meer versenkt. Geht man so mit Freunden um? Aber es stimmt schon, man weiß gar nicht mehr, wohin damit. Für Mittwoch sind noch einmal um die 20 Zentimeter vorhergesagt, vielleicht haben sich bis dahin ja die Schwielen vom letzten Mal Schippen schon etwas besser ausgebildet.
Zum Thema "Neues Jahr" wollte ich übrigens noch auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Pharmaindustrie hinweisen, die in den Staaten zum 1.1. in Kraft getreten ist. Von jetzt an gibt es keine Werbekulis mehr! Das finde ich eine Super-Idee. In meinen Augen ist jeder Kuli und jeder Radiergummi mit einem Medikamentennamen drauf unethische Einflußnahme auf das ärztliche Handeln. Wie würden die Leute regieren, wenn im "ARD Ratgeber Auto" die ganze Zeit ein BMW-Logo eingeblendet würde? Riesenaufschrei, Schleichwerbung, Skandal. Aber wenn der Arzt seine Anordnungen mit einem Pharma-Kuli in die Kurve kritzelt, ist das "kein Problem". Ja, klar. Kein Problem scheint auch zu sein, wennUni-Assistenzärzte zu einer sogenannten "Fortbildungsveranstaltung" gebeten werden, bei der es im Prinzip nur um einen einzigen, natürlich patentierten Wirkstoff geht, und wo links und rechts von der PowerPoint-Leinwand Werbetafeln aufgestellt sind.
Insofern finde ich es sehr vorbildlich, daß das alles in den USA jetzt nicht mehr vorkommen soll, auch wenn die New York Times natürlich immer noch das eine oder andere Haar in der Suppe findet:
- Editorial: No Mugs, but What About Those Fees?
Andererseits sind wir "natürlich" auf die Zuwendungen der Pharma-Industrie angewiesen. Wer kann es sich schon von seinem BAT-IIa-Gehalt leisten, von Deutschland in die USA zu einem Fachkongreß zu fliegen? Mindestens 600 Euro für das Flugticket, 200 Dollar pro Übernachtung, vier Übernachtungen, dazu Kongreßgebühren in Höhe von mehreren Hundert Dollar... Da kommt schnell ein Monatsgehalt zusammen -- klar, daß man sich von den Pharma-Leuten einladen läßt. Da stimmt auch etwas an anderer Stelle im Sytem nicht. Finde ich.

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