Nachdem ich letztens so vom BMW geschwärmt habe, wollte ich jetzt doch noch einmal die Alternative aufzeigen: Den Toyota Prius. Unglaublich populär, zumindest hier in Boston. Sein Geheimnis ist der Hybridantrieb, unter der Haube stecken sowohl ein Otto- als auch ein Elektromotor. Der Akku wird beim Fahren aufgeladen. Insgesamt scheint das eine super Idee zu sein, man bekommt regelmäßig wohl Verbräuche um 50 Meilen pro Gallone hin, das sind etwa 4,7 Liter auf 100 km.
Für den Zipcar-Fahrer ist der Benzinverbrauch natürlich zweitrangig, weil man den Sprit ja nicht selber bezahlen muß. Indirekt macht sich die Genügsamkeit allerdings schon bemerkbar: Die Priusse (oder "Prii"?!) sind die günstigsten Zipcars.
Und wie fährt sich so eine Duracell mit Rädern? Gar nicht so schlecht. Beim Anfahren fällt zunächst einmal auf, daß man nichts hört, der Wagen rollt lautlos an. Diese Geräuschlosigkeit führt auch immer wieder dazu, daß man sich als Fußgänger gehörig verjagt, wenn ein Prius sich herangepirscht hat.
Der Ottomotor springt bei höheren Geschwindigkeiten (so ab 30 km/h, Pi-mal-Daumen) selber an, der Übergang ist butterweich, genauso wie man auch von der Automatikschaltung nichts mitbekommt.
Früher oder später muß jeder Wagen die Kurve kriegen, und da trennt sich dann ganz schnell die Spreu vom Weizen. Die Straßen- und Kurvenlage des Prius ist ja ganz gut, aber die Lenkung... Die Lenkung... Also, man könnte auch genauso gut mit dem Schneebesen in einem Eimer Wasser rühren. Das Gefühl ist in etwa das gleiche. Kein Gefühl für die Straße!
Echt positiv ist allerdings das Raumangebot des Wagens. Ordentlich Beinfreiheit auf den Rücksitzen, und ein Kofferraum, der für diese kompakte Klasse beachtlich ist. Ein Golf kommt da nicht mit! Ich frage mich nur, wo die Japaner den E-Motor und die Batterie versteckt haben.
Das Auto könnte ein richtig gelungenes Praktisch-Auto sein, wäre es nicht so fürchterlich unübersichtlich. Vom Fahrersitz aus sieht man weder vorne noch hinten raus wirklich was, man kann nur hoffen, daß der Beifahrer einen besseren Überblick hat. Das Cockpit ist, typisch für ein asiatisches Auto, ein Beispiel für vollkommen verunglücktes Design. Nicht nur, daß es (auch Japaner-typisch) stark an Playmobil erinnert. Da, wo man seine Armaturen erwartet, schaut man durchs Lenkrad hindurch nur auf Plastik. Einen Tacho gibt es nur digital, in einer Anzeige-Zeile kurz vor der Windschutzscheibe, die so in die Breite gezogen ist, daß man unmöglich mit einem Blick die dargebotenen Informationen erfassen kann. Das größte Übel ist allerdings der berührungsempfindliche Bildschirm in der Mitte des Fahrzeugs, der beim Fahren eine animierte (!) Übersicht über die Energieflüsse im Fahrzeug bietet, und über den man so grundlegende Dinge wie Heizung/Klima und Radio steuern muß. Da verbringt man als Fahrer schon mal mehrere Sekunden damit, den Schirm anzustarren und zu betatschen, während man die ganzen Fußgänger umsäbelt, die einen wegen des E-Motors nicht haben kommen hören. Bingo!
Alles in allem scheint mir das Fahrzeug eine gute Idee zu sein und in die richtige Richtung zu gehen. Man muß allerdings fragen, ob die aufwendige Herstellung gegenüber einem "normalen" Auto auch umweltfreundlicher ist.
Die Amis jedenfalls scheinen das Teil zu lieben, Toyota kommt wohl mit der Produktion kaum hinterher (trotz Finanzkrise). Eine New-York-Times-Journalistin berichtet in einem Blog über ihre Erfahrungen mit dem Prius; sie ist vor ein paar Monaten von ihrem Geländewagen umgestiegen:
Weiter unten auf der Seite sieht man auch ein paar Bilder vom erwähnten Touchscreen.

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